• Alexander Jürgens

Anleihen - Risikoloses Investieren?

Spätestens seit der Finanzkrise 2008 dürfte jeder von griechischen Staatsanleihen gehört haben. Die Investition in diese Produkte wurde mit einer sehr hohen Zinszahlung für das eingegangene Risiko belohnt. Das Ende der Geschichte war allerdings, dass Griechenland seine Schulden nicht mehr zurückzahlen konnte und es zum Schuldenschnitt kam, bei dem viele Investoren ihr Kapital mindestens zu Teilen verloren. In diesem Blogartikel erkläre ich was Anleihen sind, wie sie funktionieren, welche Risiken bestehen und wie sie handelbar sind. Viel Spaß beim Lesen.


Definition


Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, was du dir wie einen Kredit vorstellen kannst, den du einem Unternehmen oder einem Staat gewährst. Der Schuldner (auch Emittent genannt) verschafft sich durch Herausgabe einer Anleihe neues Fremdkapital. Der Gläubiger hat nach Ablauf der vereinbarten Laufzeit ein Recht auf Rückzahlung des investierten Betrages sowie das Recht auf Zahlung eines vorher festgelegten Zinses (auch Kupon genannt).

Wie der Name bereits vermuten lässt, werden Unternehmensanleihen von Unternehmen herausgegeben, während Staatsanleihen von Staaten emittiert werden.


Da eine Anleihe in der Regel von vielen verschiedenen Investoren erworben wird, kommt es zur Stückelung des Gesamtbetrages. Der Nennwert stellt die kleinstmögliche Investitionssumme für eine gegebene Anleihen dar.


Zur Vereinfachung ein Zahlenbeispiel: Ein Unternehmen möchte eine neue Produktionsanlage kaufen und braucht dafür 1 Mio. € Fremdkapital. Nach 5 Jahren (= Laufzeit) wird das Kapital zurückgezahlt. Der Kupon beträgt 2%, daher erhalten die Gläubiger jedes Jahr 2% Zinsen auf ihre Investition. Die Anleihe wird in 1.000 Teile gestückelt, sodass sich jeder Investor bereits ab 1.000 € (= Nennwert) beteiligen kann.


Im Gegensatz zur Aktie, bei der es sich um Eigenkapital handelt, wird der Anleihen-Investor kein Eigentümer des Unternehmens und hat somit auch keine Stimmrechte oder Anspruch auf Gewinnbeteiligungen. Dafür wird er aber im Insolvenzfall vorrangig behandelt, während der Aktionär nur nachrangig Gelder aus der Insolvenzmasse erhält.


Rendite und Risiko


Fälschlicherweise lese ich immer wieder, dass Aktien der risikobehaftete Teil und Anleihen der risikolose Teil deines Vermögens sind. Das stimmt so nicht. Es gibt bei Anleihen eine breite Produktpalette von Emittenten mit höchster Zahlungsfähigkeit bis hin zu hochspekulativen Produkten (sogenannte Junkbonds), die alles andere als risikolos sind.


Wie bei jeder Kapitalanlage hängen Rendite und Risiko stark voneinander ab. Im Fall von Anleihen wird dieser Zusammenhang mithilfe der Bonität und des Kupons gesteuert. Grundsätzlich gilt, je schlechter die Bonität des Emittenten desto mehr Zinsen muss er zahlen. Das ist nachvollziehbar, da ein Investor für das zusätzliche Risiko entschädigt werden möchte. Im Falle einer Insolvenz ist nämlich nicht gesichert, dass das investierte Kapital zurückgezahlt werden kann. Dieses Risiko wird als Emittentenrisiko bezeichnet. Für das Bewerten der Bonität sind Ratingagenturen verantwortlich, die die Emittenten auf einer Skala zwischen AAA (beste Bonität) bis D (schlechteste Bonität) einstufen.


Wie auch Aktien werden Anleihen an der Börse gehandelt. Du musst diese daher nicht bis zum Ende der Laufzeit halten, sondern hast jederzeit die Chance mit anderen Investoren zu handeln (kaufen/verkaufen). Und jetzt wird es kurz kompliziert.

Dafür bleiben wir bei dem oben erwähnten Beispiel einer fünfjährigen Unternehmensanleihe mit 2% Zinsen. Zwei Jahre später möchte das Unternehmen eine weitere Produktionsanlage bauen und emittiert erneut eine Anleihe über 1 Mio. €. Diesmal ist das Unternehmen aber nur bereit 1% Zinsen zu bezahlen, da dies zum aktuellen Zeitpunkt der Marktzins für vergleichbare Anleihen ist. Dadurch wird die ältere Anleihe mit 2% Kupon wesentlich attraktiver und die Nachfrage steigt. Dadurch steigt ihr Kurs und Investoren sind bereit mehr als den ursprünglichen Nennwert (1.000 €) zu bezahlen, um sich die Verzinsung von 2% zu sichern. Natürlich kann das Beispiel auch in die andere Richtung stattfinden. Ist das Unternehmen bereit für die zweite Anleihe 3% Kupon zu zahlen, fällt der Kurs für die 2%-Anleihe, da diese an Attraktivität verloren hat. Dies nennt man Zinsänderungsrisiko. Wenn du dich entscheidest die Anleihe direkt zu Beginn zu kaufen und bis zum Ende der Laufzeit zu halten, spielt dieses Risiko keine Rolle für dich.


Wird die Anleihen in einer anderen Währung als deiner Heimatwährung ausgegeben, besteht auch ein Währungsrisiko, da die Wechselkurse zwischen zwei Währungen kontinuierlich schwanken. Wenn du dieses Risiko nicht eingehen möchtest, musst du darauf achten, dass die Anleihe ausschließlich in Euro notiert ist.


Handel und Alternativen


Wie weiter oben bereits erwähnt, werden Anleihen an der Börse gehandelt. Um das Risiko eines Ausfalls zu reduzieren, besteht die Möglichkeit der Diversifikation (Risikostreuung). Umsetzen kannst du dies, indem du dich entweder für verschiedene Anleihen entscheidest und diese selbstständig erwirbst oder indem du auf einen Fonds zurückgreifst. Fonds sammeln Geld von vielen Investoren ein und legen deren Kapital anhand einer vorher festgelegten Strategie an. Wie auch bei Aktien stehen dir Fonds zur Verfügung, die von einem Fondsmanager aktiv verwaltet werden. Alternativ gibt es Anleihen-ETFs, die passiv einen Index nachbilden und daher wesentlich weniger Kosten verursachen als die aktive Variante. Zum Thema aktives vs. passives Investieren habe ich bereits einen ausführlichen Blogartikel geschrieben.

Der Trend zu nachhaltigen Geldanlagen hat auch bei Anleihen Einzug gefunden, sodass die Auswahl stetig steigt.

Wenn du nach einer Variante für den risikoarmen Teil deines Vermögens suchst, aber gänzlich auf Anleihen verzichten möchtest, stehen dir das Tagesgeld oder Festgeld zur Verfügung.


Wenn ich dein Interesse für das Thema Anleihen wecken konnte und du erfahren möchtest, wie ich dich bei der Umsetzung unterstützen kann, hast du die Möglichkeit auf meiner Kontaktseite ein kostenloses Erstgespräch zu buchen.


Viel Erfolg beim Investieren!

Alex