• Alexander Jürgens

Gesetzliche Rente, Rentenlücke und was es sonst noch gibt

Die Themen Rentenlücke und Altersarmut sind in den Medien omnipräsent. Auch wenn sich viele Menschen bereits jetzt Sorgen um ihre Altersvorsorge machen, ist häufig nicht klar, welche Möglichkeiten ihnen neben der gesetzlichen Rente noch zur Verfügung stehen. Daher möchte ich die Chance nutzen, dir einen Überblick über die drei Säulen der Altersvorsorge zu geben.


Die gesetzliche Rente


Die erste Säule bildet die gesetzliche Rentenversicherung. Sie ist eine verpflichtende Versicherung für alle Angestellten (sowie bestimmte Selbstständige). Mit den Beiträgen finanziert die aktuell arbeitende Bevölkerung die gesetzliche Rente der jetzigen Ruheständler. Dies nennt sich Umlagerungsverfahren. Deine eigenen Beiträge werden somit nicht für dich gespart, sondern direkt wieder ausgegeben. Wenn du später in Rente gehst, zahlen die zukünftig beschäftigten Arbeitnehmer deine gesetzliche Rente. Aufgrund längerer Lebenserwartung und der geringen Geburtenraten nimmt die Anzahl der Beitragszahler, die einen Rentner finanzieren müssen, seit Jahren immer weiter ab.

Was sind die Folgen dieser Entwicklung? Ein Arbeitnehmer, der 45 Jahre lang gearbeitet hat und immer das deutsche Durchschnittseinkommen verdiente, wird als Eckrentner bezeichnet. Die Rente dieses fiktiven Eckrentners wird Standardrente genannt und jedes Jahr über eine Formel berechnet. Das Verhältnis von Standardrente zu dem aktuellen, deutschen Durchschnittseinkommen heißt Rentenniveau - genau dieses Verhältnis wird seit Jahren schlechter. Lag das Rentenniveau im Jahr 2000 noch bei 52,9%, ist es im Jahr 2016 bereits auf 48,1% gesunken. Als prognostizierte Untergrenze für das Jahr 2030 nennt die deutsche Rentenversicherung einen Wert von 43%.[1] Somit beträgt die Rente des Eckrentners bereits heute weniger als die Hälfte seines Lohnes.


Rentenlücke


An diesen Zahlen lässt sich schnell erkennen, dass deine gesetzliche Rente nicht ausreichen wird, sofern du nicht vorhast deinen Lebensstandard im Ruhestand stark einzuschränken. Die Differenz zwischen deiner voraussichtlichen Rente und deinen monatlichen Ausgaben im Rentenalter wird als Rentenlücke bezeichnet. Zum Glück gibt es aber noch zwei weitere Säulen der Altersvorsorge, die dir helfen können deine Rentenlücke zu schließen.


Die betriebliche Altersvorsorge


Die zweite Säule der Altersvorsorge wird durch die betriebliche Altersvorsorge (bAV) gebildet. Hierbei handelt es sich um einen Sammelbegriff für finanzielle Leistungen, die dir dein Arbeitgeber zur Altersvorsorge anbieten kann. Bei diesen Vorsorgeprodukten verzichtest du freiwillig auf einen Teil deines Bruttogehaltes, der für deinen Rentenaufbau genutzt wird. Dein Vorteil bei dieser Anlageform ist, dass du auf deinen Beitrag vorerst keine Steuern zahlen musst. Dies geschieht erst, wenn du die Auszahlungen zu deiner betrieblichen Rente mit einem voraussichtlich niedrigeren Steuersatz erhältst. Dieser Vorgang wird als Entgeltumwandlung bezeichnet. Da durch das geringere Gehalt für deinen Arbeitgeber weniger Sozialversicherungsbeiträge anfallen, muss er diese Ersparnisse seit dem Jahr 2019 ebenfalls in die bAV einzahlen. Zusätzlich besteht für deinen Arbeitgeber jederzeit die Möglichkeit freiwillig weitere Einzahlungen vorzunehmen.

Neben der betrieblichen Altersvorsorge gibt es auch noch die vermögenswirksamen Leistungen (VWL), die von einigen Arbeitgebern freiwillig gezahlt werden. Diese kannst du als Geschenk deines Arbeitgebers betrachten und solltest sie daher unbedingt in Anspruch nehmen. Hierfür schließt du einen VWL-Vertrag ab und legst ihn deinem Arbeitgeber vor. Ab diesem Zeitpunkt wird jeden Monat ein vorher festgesetzter Betrag für dich eingezahlt. Mittlerweile gibt es sogar für VWL-Verträge die Möglichkeit das Geld am Aktienmarkt anzulegen, sodass du die Chance auf eine Wertsteigerung hast. Die Einzahlungen laufen über einen Zeitraum von sechs Jahren. Anschließend liegt das Geld für ein Jahr still, bevor du den Gesamtbetrag nach dem siebten Jahr in Gänze ausgezahlt bekommst. Da du die Beträge bereits nach sieben Jahren und somit eventuell bereits vor deinem Renteneintritt erhältst, würde ich bei diesem Produkt eher von Vermögensaufbau als von Altersvorsorge sprechen.


Die private Altersvorsorge


Die private Altersvorsorge, als dritte Säule der Altersvorsorge, umfasst alle Maßnahmen, die du selbstständig unternimmst, um für deinen Ruhestand vorzusorgen. Durch die große Freiheit, die dir in diesem Bereich zur Verfügung steht, hast du auf der einen Seite eine Vielzahl an großartigen Möglichkeiten, die dir beim Vermögensaufbau helfen können. Auf der anderen Seite kannst du aber auch die meisten Fehler machen, wenn du unzureichend informiert bist.

Du solltest dich daher ausgiebig mit Themen wie deinem Zeithorizont, deiner Risikobereitschaft und deiner Renditeerwartung auseinandersetzen. Die Produktvielfalt reicht von sicheren Geldanlagen wie dem Tagesgeldkonto bis zu renditeorientierten Produkten am Aktienmarkt. Bitte bedenke bei all deinen Investitionen, dass Rendite und Risiko ein untrennbares Paar sind. Legst du dein Geld sehr sicher an, bekommst du in der Regel auch nur einen geringen Ertrag. Auf der anderen Seite geht mit einer hohen Rendite auch ein höheres Risiko einher. Auch eine Mischung aus risikoreichen und risikoarmen Produkten ist selbstverständlich möglich. Zusätzlich zu den bereits erwähnten, existieren staatlich geförderte Produkte, wie die Riesterrente, die für bestimmte Personengruppen Sinn machen können. Bei allen in diesem Blogbeitrag genannten Produkten ist das Wichtigste, dass du sie verstehst. Ein genauer Blick auf die Funktionsweisen und Kostenstrukturen ist zwingend erforderlich, damit es nach Jahren der Einzahlungen nicht zu bösen Überraschungen kommt. Gerade für unerfahrene Anleger ist das Aufsuchen einer unabhängigen Beratung daher so wichtig.


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[1] https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Rente/Allgemeine-Informationen/Wissenswertes-zur-Rente/FAQs/Rente/Rentenniveau/Rentenniveau_Liste.html